Firmenvideos selber drehen: 10 Tipps, die wirklich zählen

Du willst testen, ob Corporate Content intern funktioniert. Egal ob Erklärvideo, „Über uns”, Produktclip oder Recruiting. Bevor du Equipment kaufst: Hier steht, worauf es wirklich ankommt.

Das Wichtigste zuerst

 

Erstens: eine klare Botschaft.
Nach dem Video muss man in einem Satz sagen können, was die Zuschauer:innen verstanden haben, und was als Nächstes passieren soll. Ist das vorher nicht klar, wird es im Video meistens auch nicht klar.

 

Zweitens: eine Strategie, kein Einzelvideo.
Ein einzelnes Video verpufft. Wer langfristig Wirkung will, plant Videos als Serie mit einem klaren Ziel, das  abgestimmt auf Zielgruppe, Kanal und den nächsten Schritt im Kundenprozess ist. Erst dann wird Content zu einem echten Werkzeug.

 

Drittens: guter Ton.
Ein Bild, das nicht nach Kino aussieht, wird eher verziehen als schlechter Ton. Sobald man dich nicht sauber versteht, sinkt die Aufmerksamkeit sofort und damit das Image der Firma.

 
Licht, Kamera, Schnitt kommen danach.

Tipp 01

Starte mit einem Ziel, nicht mit einer Idee

Frag dich zuerst, wozu das Video dienen soll. Mehr Anfragen? Mehr Vertrauen? Weniger Erkläraufwand? Dann formuliere das in einem Satz:

Nach dem Video sollen die Leute ____.

Zum Beispiel: „eine Offerte anfragen”, „verstehen, wie unser Prozess funktioniert”, „uns als Arbeitgeber sympathisch finden”. Wer diesen Satz nicht klar formulieren kann, sollte noch nicht filmen.

Tipp 02

Eine Botschaft pro Video – wirklich nur eine

Drei Themen in 60 Sekunden überfordern. Wer mehrere Dinge sagen will, macht besser eine kleine Serie. Das wirkt professioneller und eignet sich ideal für Social Media.

Tipp 03

Ein Mini-Skript, das man auch gut sprechen kann

Ohne Struktur passieren zwei Klassiker: Du schweifst ab oder wirst zu technisch. Deshalb startest du am besten mit dieser bewährten Struktur für Firmenclips:

  1. Problem oder Situation – 5 bis 10 Sekunden
  2. Lösung oder Angebot – 10 bis 30 Sekunden
  3. Beweis – kurz und konkret: Zahl, Ergebnis, Referenz
  4. Nächster Schritt – dein Call-to-Action

„Wir helfen [Zielgruppe] dabei, [Problem] zu lösen, indem wir [Lösung]. Wenn du willst: [Call-to-Action].”

Tipp 04

Auftritt ist Content: Wie du rüberkommst, zählt

Corporate Content scheitert selten an der Kamera. Häufig scheitert er daran, dass der Auftritt unsicher wirkt oder die Sprache zu kompliziert ist. Zum Beispiel zu leise sprechen, zu schnell sprechen, viel „Ähm”, Fachchinesisch oder Entschuldigungen wie „Ich bin nicht so der Video-Typ” bremsen mehr als ein schlechtes Bild.

Coaching bringt hier extrem viel. Ein Videograf, der dich führt, gibt Feedback zu Tempo, Körpersprache, Blick und Wirkung, nicht nur zur Technik. Und das ist oft der grösste Unterschied zwischen einem Video, das man sich bis zum Ende anschaut, und einem, das man nach zehn Sekunden wegklickt.

Stativkamera filmt Mann vor Fenster im Büro, Monitor zeigt Aufnahme – Videoproduktion Winterthur
Porträtbilder für Employer Branding

Tipp 05

Ton zuerst: Mikrofon ist Pflicht, nicht Luxus

Gute Tonqualität mit klarem Audio macht ein Video sofort professioneller und glaubwürdiger. Ein Lavalier-Mikrofon (Ansteckmikrofon) ist für den Start die einfachste Lösung. Mach vor jeder Aufnahme einen 10-Sekunden-Test und hör ihn mit Kopfhörern ab. Lüfter, Hall, Strassenlärm, all das fällt sonst erst im fertigen Video auf wenn es zu spät ist.

Tipp 06

Licht simpel halten: Fenster reicht

Du brauchst kein Studio. Stell dich so hin, dass das Fenster vor dir oder leicht seitlich ist – nie dahinter. Gutes Licht macht dich wacher und sympathischer, selbst mit Smartphone. Wer regelmässig filmt, für den lohnt sich irgendwann ein Softlight, damit die Qualität konstant bleibt und man nicht vom Tageslicht abhängig ist.

Tipp 07

Stativ kaufen, Wackeln vermeiden

Wackelbilder wirken sofort nach Hobby und kosten Vertrauen. Ein günstiges aber stabiles Stativ bringt extrem viel, besonders für grössere Kameras, aber auch fürs Smartphone. Platziere die Kamera auf Augenhöhe, nicht von unten. Und etwas Abstand zum Hintergrund lässt das Bild ruhiger wirken.

Tipp 08

Hintergrund: aufgeräumt schlägt inszeniert

Der Hintergrund erzählt immer mit. Deshalb gilt: Chaotisch hinten, unklare Botschaft vorne. Ein einziges Element, das zur Firma passt, reicht völlig. Ein Produkt, eine Werkbank, der Empfang, ein ruhiges Bild an der Wand. Wenn du gar keine passen Räume hast, kannst du auch über eine Studiomiete nachdenken.

So nicht!

  • Hintergrund chaotisch
  • Kein Licht von vorne
  • Person zu klein und distanziert
  • Viel leerer Raum im Bild
Mann in grünem Polo in Studio mit Monitor, Tischen und Studiobeleuchtung – Videograf Winterthur

Tipp 09

Kürzer als du denkst – und konsequent schneiden

Wenn du unsicher bist, ob ein Satz raus kann, kann er meistens raus. Kürze ist die Voraussetzung dafür, dass Leute bis zum Ende dranbleiben. Und ja, das ist eine Arbeit die sich lohnt, wenn du nicht wie von 2010 wirken willst.

  • Social Media Clips 15 bis 45 Sekunden
  • Erklärclip 45 bis 90 Sekunden
  • „Über uns” kurz 60 bis 120 Sekunden – nur wenn wirklich was zu erzählen ist

Beim Schnitt gilt: Jede Sekunde muss einen Job haben: erklären, beweisen oder zum nächsten Schritt motivieren.

Tipp 10

In Serien denken, nicht in einzelnen Videos

Viele KMU machen ein einziges Video, posten es, und dann passiert lange nichts mehr. Darum ist es besser, wenn du dir ein kleines System überlegst: 3 bis 10 kurze Clips mit immer ähnlichem Format. Du lernst schneller, was wirkt, und dein Publikum gewöhnt sich an deinen Stil. Genau so gehst du auch auf Social Media vor.

„1 Tipp aus der Praxis”
„Häufige Kundenfrage”
„So läuft ein Auftrag ab”
„Mythos vs. Fakt”
„Vorher und Nachher”

Checklisten

A) Vor dem Filmen: Inhalt

  • Ziel des Videos ist in einem Satz formuliert
  • Zielgruppe ist klar! Wer schaut das genau?
  • Eine Hauptbotschaft ist definiert
  • Call-to-Action ist klar! Was soll danach passieren?
  • Drei Kernpunkte sind vorbereitet: Nutzen, nicht Features
  • Ein Beweis ist dabei: Zahl, Ergebnis, Referenz oder Erfahrung
  • Tonalität ist festgelegt: locker, kompetent, nahbar?
  • Format ist klar: Hoch- oder Querformat, für welche Plattform?
  • Dein Skript ist gesprochen formuliert, nicht wie ein Aufsatz geschrieben

B) Vor der Kamera: Auftritt

  • Probedurchlauf ohne Aufnahme gemacht
  • Zwei tiefe Atemzüge vor dem Start, dann freundlich beginnen
  • Tempo bewusst etwas langsamer als im Alltag
  • Kurze Sätze, aktive Sprache
  • Blick geht zur Linse, nicht aufs eigene Bild
  • Keine Entschuldigungen, keine „Ich bin nervös”-Sätze
  • Energie leicht höher als normal – damit es lebendig wirkt
  • Ende ist klar – Call-to-Action ruhig und deutlich gesprochen

C) Technik-Minimal-Setup

  • Smartphone oder Kamera – Hauptsache stabil
  • Stativ bereit
  • Mikrofon angeschlossen – idealerweise ein Lavalier Mic 
  • Raum ruhig, Hall vermieden
  • Licht gesetzt – Fenster oder Softlight
  • Hintergrund aufgeräumt
  • Akku voll, Speicher frei
  • Testclip gemacht – Bild und Ton geprüft

Häufige Fragen – FAQ

Was ist wichtiger: Technik oder Inhalt?

Inhalt. Wenn die Botschaft klar ist und du verständlich sprichst, kann ein Smartphone-Video sehr gut funktionieren. Technik wird erst dann entscheidend, wenn du bewusst professioneller wirken willst – für Recruiting, Image oder bezahlte Ads.

Wie lang soll mein erstes Firmenvideo sein?

Dein erstes Video so nicht länger als 30 bis 60 Sekunden dauern. So kurz wie möglich, so lang wie nötig. In der Praxis lernst du mit drei kurzen Videos schneller, was bei deiner Zielgruppe ankommt, als mit einem langen.

Muss ich ein Skript schreiben oder kann ich frei sprechen?

Ein kurzes Skript ist sehr empfehlenswert, auch wenn es nur Stichworte sind. Frei sprechen klappt zuverlässig erst, wenn du dein Thema wirklich im Griff hast und schon einige Videos gemacht hast.

Ich wirke komisch vor der Kamera! Was kann ich tun?

Das ist normal, fast allen geht es am Anfang so. Das hilft: ein klarer Text, ein Probelauf, Kamera auf Augenhöhe, bewusst langsamer sprechen. Und am effektivsten ist direktes Coaching: Feedback zu Blick, Körpersprache und Tempo sieht man sofort im Ergebnis.

Was soll ich als Erstes kaufen oder verbessern?

Mikrofon und Stativ. Guter Ton macht den grössten Unterschied. Ein stabiles Bild ist der zweite Hebel. Licht kommt danach, Kamera-Upgrade zuletzt.

Hochformat oder Querformat?

Hochformat für Social Media (Reels, TikTok, Shorts). Querformat für Website, YouTube und Präsentationen. Entscheidend ist, wo du das Video veröffentlichst und ob du es mehrfach nutzen willst.

Wann lohnt sich ein Profi, wann kann ich es selbst machen?

Selbst machen lohnt sich, wenn du Zeit zum Üben hast und mit „gut genug” für den Start zufrieden bist. Ein Profi lohnt sich, wenn du schnell Resultate brauchst, der Anspruch hoch ist, oder du typische Anfängerfehler vermeiden willst. Dazu bringt ein guter Videograf meistens Coaching mit – Führung beim Auftritt und eine klare Dramaturgie.

Was bringt ein Videograf ausser Kamera, Licht und Videoschnitt?

Ein erfahrener Profi bringt dir sofort Struktur, Story, Tempo, Bildsprache und Coaching. Du bekommst nicht nur ein technisch sauberes Video, sondern auch Hilfe dabei, was du sagen sollst und wie du es so sagst, damit dein Auftritt auch wirkt. Gerade für Corporate Content ist das häufig der grösste Mehrwert.

Dein erstes Video für dein KMU – ohne Stress

  1. Wähle ein Thema, das du oft erklärst – zum Beispiel „So läuft ein Auftrag bei uns ab”
  2. Schreib 6 bis 8 Sätze nach der Struktur: Problem – Lösung – Beweis – Call-to-Action
  3. Stell dein Minimal-Setup auf: Fensterlicht von vorne, Mikrofon sehr nah bei der sprechenden Person, Kamera auf stabilem Stativ
  4. Nimm drei Clips auf, damit du Auswahl hast
  5. Schneide konsequent auf 30 bis 60 Sekunden je nach Thema
  6. Veröffentliche es oder nutze es intern und hol dir Feedback
  7. Entscheide danach: intern weitermachen oder Unterstützung holen?

Glossar

Corporate Content
Videos und Inhalte, die eine Firma für Marketing, Recruiting oder Kommunikation nutzt
Hook
Die ersten 1 bis 3 Sekunden des Videos. Der Haken (Hook) erzeugt Aufmerksamkeit und motiviert zum Dranbleiben
Call-to-Action
Handlungsaufforderung: „Melde dich", „Buche einen Termin", „Frag eine Offerte an"
Elevator Pitch
Sehr kurze Erklärung (oft 20–30 Sekunden, wie eine Liftfahrt), worum es geht und warum es relevant ist
Talking Head
Das ist ein Videoformat: eine Person spricht direkt in die Kamera
B-Roll
Zusatzaufnahmen (Hände bei der Arbeit, Team, Produktdetails), die über das Video mit dem Gesprochenen gelegt werden
Softlight
Weiches Dauerlicht, das Schatten reduziert und Gesichter angenehm ausleuchtet
Dramaturgie
Aufbau und Spannungsbogen. Wie du Informationen so ordnest, dass sie wirken
Reels / Shorts
Kurze Hochformat-Videos für Instagram Reels und YouTube Shorts

Du willst Zeit sparen und direkt professionell auftreten?

Nicht jeder muss das Rad neu erfinden. Wenn du weisst, was du sagen willst, aber Auftritt, Story und Umsetzung in guten Händen wissen möchtest, dann ist der direkte Weg der schnellere. Natürlich mit erprobter Strategie und Coaching für dich vom Profi, damit es sicher gelingt ohne Frust und Stress.