Eigenes Foto- und Filmstudio eröffnen: Alles, was du wissen musst

Ich betreibe seit 2001 ein eigenes Foto- und Filmstudio, heute als Video & Photoworkers.ch mit 400 Quadratmetern in Winterthur. Dazwischen liegen zwei Studios, ein paar teure Lektionen und jede Menge Erfahrung, die ich dir hier ungefiltert weitergebe.

Kurz das Wichtigste

  • Klein starten lohnt sich heute mehr als früher, ein riesiges Studio von Anfang an ist selten die klügste Wahl
  • Rechne realistisch: Miete ab CHF 2’000/Monat, Umbau schnell mehrere 10’000 Franken, Startequipment für Foto und Video ab CHF 20’000 bis 30’000
  • Lärmschutz, Stromkapazität und Verdunkelung gehören von Tag eins an mitgeplant, nicht nachträglich gepatcht
  • Betriebshaftpflicht, Sachversicherung und Datenschutz sind in der Schweiz keine Pflicht, aber im Ernstfall überlebenswichtig
  • KI ersetzt heute Vorproduktion und Postproduktion, aber nicht die Echtheit von Menschen und Marke
  • Personal kommt später: erst solo, dann Freelancer, Festanstellungen meist erst nach zwei bis fünf Jahren

Vom Wunsch zum eigenen Studio: Meine Geschichte in Kürze

2001 war ich Untermieter in einem Studio eines Kollegen, bis das nicht mehr ging. Also wagte ich den Schritt und eröffnete mein eigenes, rund 200 Quadratmeter gross. Am Anfang fast nur Privatkunden-Shootings, weil das einfach näher lag. Rückblickend hätte ich viel schneller auf Business-Kunden setzen sollen: Sie bringen langfristige Beziehungen statt Einzelaufträge. Solche Kundenbeziehungen tragen unser Geschäft bis heute.

Der richtige Standort: Worauf du achten solltest

Nach rund fünf Jahren mit Team wurde das erste Studio zu klein. Der Umzug in ein 400 Quadratmeter grosses Studio mit sechs Meter Deckenhöhe und Torzufahrt hat alles verändert: Grössere Sets, grössere Aufträge, eigener Vorplatz für mehrere Autos.

Praxisbeispiel: Was ich dabei unterschätzt habe, war der Lärmschutz. Direkt neben unserem neuen Standort im Industriegebiet liegt ein Schiessplatz, was Tonaufnahmen bei Videos beeinträchtigen kann. Früher war das weniger ein Problem, weil kaum gesprochen wurde, heute läuft aber fast jedes Firmenvideo mit O-Ton.

Leicht vergessen, aber ebenso wichtig: Gibt es in deiner Region überhaupt genug Firmen, Agenturen oder Kreative, die eine Foto- oder Videoproduktion im Studio buchen würden? Der schönste Standort nützt dir wenig ohne Nachfrage in der Nähe.

Checkliste Standort

  • Genug potenzielle Kunden im Einzugsgebiet, die ein Studio oder eine Studioproduktion überhaupt brauchen
  • Ausreichend Deckenhöhe und Zufahrt für grössere Sets und Anlieferung
  • Eigene Parkplätze, gerade bei Firmenkunden mit mehreren Personen
  • Lärmquellen in der Umgebung prüfen, auch scheinbar harmlose wie Sportanlagen
  • Industriegebiet ist meist unproblematisch mit Nachbarn, aber selbst dort Akustik checken
  • Stromkapazität für Lichttechnik und komplette Verdunkelbarkeit von Anfang an einplanen

Ausstattung und Kulissen

Unsere heute rund 20 Kulissen sind nicht an einem Wochenende entstanden, sondern über Jahre, immer dem tatsächlichen Kundenbedarf entsprechend gewachsen. Im Rückblick war das goldrichtig.

Die Basis-Ausrüstung

LED-Dauerlicht für Video und / oder ein Blitzlichtset für die Fotografie im Studio, eine Hybridkamera (Foto und Video) mit Audio in/out, HDMI out und mindestens 4K, ein Lavalier-Funk-Mikrofon-Set sowie Video- und Lichtstative. Mehr braucht’s am Anfang eigentlich nicht.

Nice-to-have vs. Muss

Bei Licht würde ich nicht das Billigste nehmen, weil das nach ein, zwei Jahren regelmässigem Gebrauch wieder ersetzt werden muss oder schon nach kurzem Gebrauch deine Ansprüche nicht mehr erfüllt. Mehrkamera-Setups, Referenzmonitor, Shotgun-Mikrofon und vielseitiges Mobiliar für schnelle kreative Wechsel kommen erst später dazu, wenn der Bedarf da ist.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Für ein kleines bis mittleres Studio von 100 bis 150 Quadratmetern rechne ich mit rund CHF 2’000 Miete pro Monat, je nach Lage auch mehr. Selbst ein bescheidener Umbau, etwa für Elektroarbeiten oder zusätzliche Verdunkelung, kostet schnell mehrere 10’000 Franken. Beim Equipment für Foto und Video, also Dauerlicht, Blitzanlage, Kamera und Ton, landest du eher bei CHF 20’000 bis 30’000.

Bei Vollerwerb mit echten Kundenaufträgen kann sich das Ganze bereits nach etwa einem Jahr tragen. Die Studiomiete bleibt aber der grösste und am meisten unterschätzte Kostenpunkt, gerade wenn man nur selten ein Studio wirklich braucht, lohnt sich oft eine situative Miete mehr als ein Fixkostenblock. Wie du diese Grundsatzfrage für dich löst, haben wir im Entscheidungsguide Filmstudio mieten vs. besitzen im Detail durchgerechnet.

Geschäftsmodell und Kundengewinnung

Ob du dein Studio auch an externe Produktionsteams vermieten willst, ist ein eigenes Geschäftsmodell mit zusätzlichem Werbe- und Organisationsaufwand. Ich würde mir das gut überlegen, bevor ich zusätzlich dafür Werbung mache.

So gewinnst du erste Kunden

  • Wenige, aber starke Referenzen auf einer einfachen Portfolio-Website zeigen
  • Notfalls eigene Projekte als Referenz nutzen, aber mit klarem kommerziellem Nutzen für die Zielbranche
  • Mund-zu-Mund-Empfehlung im eigenen Netzwerk aktiv ansprechen
  • Social Media aufbauen, wichtiger bei Privatkunden und Kreativen als bei Firmenkunden
  • Bezahlte Werbung erst als dritten Schritt, wenn Budget und Know-how da sind
  • Lokale, offline Kundenansprache in der Nachbarschaft kostet nichts und kann ein guter Start sein

Für die Schweiz sind aus meiner Erfahrung KMU-Kunden mit einem nicht zu engen Angebot am tragfähigsten. Reine Privatkunden-Shootings, wie noch vor 10 bis 20 Jahren, funktionieren heute kaum mehr als Geschäftsmodell. Mehr dazu, wie du KMU wirklich gewinnst, liest du in Mitarbeiterfotos für KMU: Welche Variante passt zu deinem Unternehmen?

Team aufbauen: Wann sich Personal lohnt

In den ersten Jahren kommst du meistens gut alleine klar. Bei grösseren Aufträgen setze zuerst auf Freelancer statt Festanstellungen. Erst wenn nach etwa zwei bis fünf Jahren Geschäftsmodell und Richtung klar sind, macht Personal, auch in Teilzeit, wirklich Sinn.

Recht und Absicherung: Was du in der Schweiz klären musst

  • Ab CHF 100’000 Jahresumsatz brauchst du einen Handelsregistereintrag und wirst mehrwertsteuerpflichtig, eine GmbH lohnt sich wegen der Haftung oft schon früher
  • Betriebshaftpflicht ist in der Schweiz nicht gesetzlich vorgeschrieben, kann aber je nach Kanton faktisch obligatorisch sein und wird bei Ausschreibungen oft verlangt
  • Eine Sachversicherung für Equipment und Einrichtung gegen Feuer, Wasser und Einbruch gehört für mich zum Standard
  • Starkstrom brauchst du fürs Studio in der Regel nicht mehr. Trotzdem lohnt sich, bauliche Anpassungen wie Steckdosen am passenden Ort, Schallschutz, Raumeinteilung oder Verdunkelung vorher mit dem Vermieter abzusprechen, inklusive wer bei Mietende für den Originalzustand sorgt
  • Bei Mitarbeiterporträts und Kundenshootings regelt das revidierte Datenschutzgesetz, wofür Bilder genutzt werden dürfen, sauber vertraglich festhalten. Mehr dazu in Bildrechte bei Mitarbeiterporträts: Was Unternehmen in der Schweiz klären sollten

KI vs. echtes Video: Wo du dich heute positionieren solltest

Wir setzen KI längst produktiv ein: für Storyboard-Stills, für Produktanimationen, bei denen sich ein Produkt einfach dreht, und mittlerweile auch für komplette 30-Sekunden-Social-Videos aus zwölf generierten Szenen. Am besten funktioniert das, wenn wir echtes Referenzmaterial als Basis nehmen, statt endlos mit einem Prompt zu versuchen, Menschen realistisch darzustellen.

Trotzdem gibt es gerade bei Firmen eine klare Gegenbewegung: Aus Glaubwürdigkeitsgründen wird echtes Material bevorzugt, sofern das Budget dafür da ist. Aktuelle Tools wie Veo, Seedance oder Kling liefern 2026 zwar beeindruckende Qualität, aber Corporate-Kommunikation und Image-Videos bleiben voraussichtlich noch eine Weile eine Domäne echter Produktionen, weil Authentizität dort den ein zentrales Merkmal ist und man das Kundenvertrauen nicht aufs Spiel setzen sollte.

Meine Empfehlung: Überlege dir genau, welche Bereiche schnell durch KI ersetzt werden könnten. Dann baust du deinen Kundenstamm gezielt dort auf, wo Echtheit noch lange gefragt bleibt. Alles Aktuelle zum Thema findest du auch in KI-Videoproduktion: 10 Tipps für 2026.

Würde ich heute wieder ein eigenes Studio eröffnen?

Nicht mehr gleich gross. Die laufenden Kosten sind hoch, und gerade als Einsteiger in Zeiten wachsender KI-Konkurrenz lässt sich das kaum rechtfertigen. Ich würde heute klein anfangen, an einem Ort mit flexiblen Optionen: Räume dazumieten, bei Bedarf auf grössere Studios in der Nähe ausweichen oder sogar eine Kooperation aufbauen, statt dich mit fixen Kosten zu belasten.

Checkliste: Bevor du startest

  • Standort mit Deckenhöhe, Zufahrt, Lärmschutz und Kundenpotenzial geprüft
  • Budget für Miete, Umbau und Startequipment realistisch kalkuliert
  • Basis-Ausrüstung für Foto und Video bestellt: Dauerlicht, Blitzanlage, Kamera, Ton, Stative
  • Versicherungen und Rechtsform geklärt
  • Zielgruppe definiert: eher KMU als reine Privatkunden
  • Klare Haltung zu KI, wo sie hilft und wo echte Aufnahmen zählen

Du überlegst dir gerade selbst den Schritt in ein eigenes Studio, willst aber erst mal ohne Fixkosten testen, wie sich professionelle Produktionen anfühlen? Dann schau dir unser Mietstudio in Winterthur an oder buche direkt eine Beratung, ich teile meine 25 Jahre Erfahrung gerne mit dir.

Fotograf mit Oberstufenlehrer Studium
28

Jahre Berufserfahrung in

Videoproduktion und Fotografie